Muskelabbau durch übermäßigen Energieverbrauch?

Für den Körper ist Fett der einzige Energielieferant, der bei einer dauerhaft anhaltenden Belastung einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Bei Belastungen, die länger als 50 Sekunden dauern, nimmt die aerobe Bereitstellung von Energie durch die Oxidation von Kohlenhydraten und Fettsäuren den wichtigsten Anteil der Energievergabe ein. Der Prozess geht nur so lange vonstatten, bis sich die Glykogenspeicher vollständig geleert haben oder es durch eine erhöhte Laktat-Anhäufung, welches sich bei der Glykogen-Verbrennung bildet, zu einer Übersäuerung kommt und die Glykogen-Oxidation auf diese Weise behindert wird. Kurz gesagt, handelt es sich hier um einen klassischen Leistungseinbruch des Sportlers.

 

In Zeiten, in denen eine akute Unterversorgung stattfindet, kann es auch passieren, dass der Körper bereits vorhandene Muskulatur (Eiweiß) verstoffwechselt, um die funktionellen Einschränkungen oder die Energieengpässe, die aufgrund eines zu geringen Aminosäuren-Gehalts im Blut auftreten, auszugleichen und wichtige Stoffwechselprozesse erhalten zu können. In der Praxis findet dieser Prozess jedoch nur in Ausnahmefällen statt. Eine wiederholte Verstoffwechselung von freien und und schon verbauten Aminosäuren ist sehr ineffizient und wird vom Körper ausschließlich in Notsituationen umgesetzt, die sich durch ein gewöhnliches Muskelaufbautraining kaum erreichen lassen.

 

Generell gilt jedoch, dass bei der Fettsäuren-Oxidation die kleinste Energieausbeute je Liter Sauerstoff zustande kommt. Die Fettverbrennung ist damit, trotz hoher Energie der Fette, die ungünstigste Möglichkeit der Energiegewinnung und wird ebenfalls nur bei akuten Engpässen vom Körper beansprucht. Diese können allerdings schon mit schwindenden Vorräten an Glykogen einhergehen. Die Verstoffwechselung von Eiweiß (Aminosäuren) ist bei einer oxidativen Bereitstellung von Energie zu vernachlässigen, da der zur Verfügung gestellte Energieanteil gering ausfällt.

 

Der „Memory Effekt“

 

Memory Effekt bedeutet hier nichts anderes als „Muskelgedächtnis“, über das der menschliche Körper verfügt. Wer als Untrainierter mit einem intensiven Muskeltraining beginnt, konfrontiert seinen Körper anfangs mit absolut neuen Bewegungsabläufen, die mit Koordination und großer Kraftanstrengung zusammenhängen.

 

Der Körper muss diese Abläufe erst erlernen. Zunächst ist also nicht nur die nicht vorhandene Kraft bei Anfängern eine Ursache für die schwächere Leistung. Auch die Belastungswechsel und die neuen Bewegungsabläufe muss die kognitive Steuereinheit erst erkennen, verarbeiten und speichern. Dieser Lernprozess entfällt bei Wiedereinsteigern, was sich gut mit Fahrradfahren vergleichen lässt. Der Hauptgrund für einen rasanten Muskelaufbau nach einer längeren Auszeit ist aber in den Prozessen zu finden, die während des Muskelauf- oder -abbaus auf zellbiologischer Ebene ablaufen: Durch das regelmäßige Krafttraining kommt es zu Muskelzellverdopplungen (Mitose). Nach dem Training, in der Regenerationsphase, vervielfachen sich die Muskelzellen also. So wachsen dann auch die Zellbestandteile wie Zellkerne oder Mitochondrien zyklisch und damit die Muskeln.